E-Commerce Umsätze in Deutschland

In mehreren Beiträgen hatte ich erörtert, wie sehr die Potenziale des Electronic Commerce in Deutschland mitunter über-, oft aber auch unterschätzt wurden. Die tiefgreifenden Veränderungen, die diese wachsenden E-Commerce Umsätzen für den stationären Einzelhandel mit sich bringen, sind schon heute gut sichtbar, werden sich aber in Zukunft weiter verschärfen.

Dies wird nicht nur bedeuten, dass stationäre Händler ihre Miete nicht mehr bezahlen können und aus den Innenstädten verschwinden werden. Es wird darüber hinaus bedeuten, dass es für den Gesetzgeber wichtig sein wird, die Leitplanken für E-Commerce-Unternehmen in einer Art und Weise zu setzen, die im Hinblick auf die Themen Steuereinnahmen, Datenschutz und Datensicherheit, Verbraucherschutz zu guten Ergebnissen führen.

Welche atemberaubende Entwicklung die E-Commerce Umsätze allein im Business-Consumer-Bereich in Deutschland nahmen, wird durch die folgende Abbildung für die Jahre 1999 bis 2015 illustriert:

Statistik: B2C-E-Commerce-Umsatz in Deutschland 1999 bis 2014 und Prognose für 2015 (in Milliarden Euro) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Umsatzentwicklung von google

Google ist eine schier unglaubliche Erfolgsgeschichte. Der Börsengang von google lag nur wenige Jahre nach dem Platzen der dot.com Blase. Nur wenige trauten dem Unternehmen damals einen nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg zu. Wie durchdacht aber das Geschäftsmodell von google ist, zeigt sich besonders schön an dem rasanten Wachstum der Umsatzzahlen des Unternehmens. Während google noch im Jahr 204 einen Umsatz von immerhin 3,2 Mrd. Dollar hatte, ist 10 Jahre später der Umsatz beim zwanzigfachen dieses Wertes (ca. 66 Mrd. US-Dollar). Bedenkt man dabei, welche Rendite das Unternehmen dabei erwirtschaftet, so sind diese Zahlen noch imposanter. Einen Überblick zu den Umsätzen von google zwischen 2002 und 2014 bietet die folgende Abbildung:

Statistik: Umsatz von Google weltweit in den Jahren 2002 bis 2014 (in Milliarden US-Dollar) | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Chancen des Electronic Commerce: Vorteile durch Kooperationen

Electronic Commerce bietet eine Reihe von Vorteilen wenn man sich bietende Möglichkeiten für Kooperationen sachgerecht nutzt. Nur zu häufig werden diese Potenziale nicht hinreichend erkannt. Beispiele für gelungene Kooperationen sollen daher nachstehend genannt werden:

Beispiel immoscout

immobilienscout24 ist eines der Unternehmen, die Möglichkeiten für Kooperationen in beeindruckender Art und Weise nutzt. Wenn eine Kunde beispielsweise am Kauf einer Immobilie interessiert ist, bekommt er natürlich nicht nur Informationen zur Immobilie, sondern auch zu Kreditkonditionenvergeichen (Interhyp), Umzugsunternehmen, Immbilienbewertern bzw. – gutachtern, KfW-Förderungen und vielem anderen mehr. Diese Kooperationspartner bezahlen dafür natürlich Geld aber es bietet ihnen auch unmittelbaren Nutzen.

Beispiel autoscout

Auch bei autoscout24 kann man sehr schön die großen Potenziale von Kooperationen sehen. Wer ein Auto kauft, ist natürlich auch ein potenzieller Kunde für eine Versicherung, Anbieter von Autofinanzierungen, Reifenhändlern, Gutachtern u.a. Auch hierergeben sich hervorragende Cross- und Upsellingmöglichkeiten

Beispiel amazon

Manche Anbieter erschliessen die Cross-Selling-Potenziale im E-Commerce auch dadurch, dass Sie Unternehmen der betreffenden Branchen kaufen oder selbstgründen. Denken Sie an amazon: ein zufriedener amazon-Buchkunde ist natürlich auch ein potenzieller Kunde für EBooks (amazon besitzt Kindle), Hörbücher (amazon besitzt audible) oder TV-Streamingdienste (Amazon Prime Instant Video)

Beispiel apple

Natürlich verdient Apple viel Geld mit Handys oder Tablets. Nicht unterschätzen sollte man aber, welche Erträge der monopolisierte App-Store und der ebenfalls monopolierte Itunes-Store zu den gigantischen Apple-Gewinnen beisteuern.

Chancen des Electronic Commerce: Multimedialität und Interaktivität

Das Medium Internet zeichnet sich gegenüber anderen Medien durch seine Multimedialität und Interaktivität aus. Dieser Umstand kann gar nicht oft genug betont werden.

Multimedialität

Während Medien wir Zeitung oder Radio nur einzelne Sinne eines Menschen ansprechen können, lassen sich über das Internet mehrere Sinne eines Menschen anregen. So kann die Präsentation von Produkten auf dem elektronischen Marktplatz im Internet dynamisch gestaltet und über mehrere Sinneskanäle vermittelt werden.

Schauen wir uns folgendes Beispiel an: ein Kunde ist auf der Suche nach einer Versicherung. Eine Versicherung ist ein Produkt, dass man insbesondere aus Angst bzw. Sorge kauft, weil man sich vor dem Eintritt eines bestimmten Ereignisses (Versicherungsfall) fürchtet.  Über das Medium Internet ist es nun möglich, versicherungsfähige Gefahrenpotentiale durch geeignete Bilder und Videosequenzen in einer Art und Weise zu verdeutlichen, dass Wunsch des Kunden zum Versicherungsabschluss verstärkt wird.

Für den Verkauf von Produkten oder Dienstleistungen ergeben sich somit viele Vorteile.

Interaktivität

Auch die Interaktivität des Mediums sollte besonders betont werden. Mit Hilfe des Mediums Internet ist es möglich, Kunden mit ganz individuell auf ihre jeweiligen Bedürfnisse abgestimmten Informationen zu versorgen.

In der Vor-Internet-Welt gab es diese Möglichkeiten nicht. Nehmen wir ein Beispiel: eine Zeitung (oder auch das Fernsehen) sind i.d.R. nicht interaktiv. Der Kunde wird mit Informationen und Werbung berieselt. Allerdings ist es dem Kunden dabei nicht möglich bestimme Informationen im Medium zu vertiefen (wenn er sich beispielsweise für etwas besonders interessiert). Bei manchen Medien (z.B. dem Fernsehen) ist es dem Kunden nicht einmal möglich, uninteressante Informationen auszublenden (höchtens durch um- oder ausschalten, was nicht im Interesse des Senders liegt). Werbemedien wie z. B. Zeitungsanzeigen oder Fernsehwerbung ermöglichen nur die Ansprache großer und anonymer Kundengruppen. Streuverluste sind in der Regel groß.

Beim Medium Internet dagegen ist es für den Leser einfach, Informationen zu vertiefen (anklicken) oder auszublenden. Auch kann im Internet der Browser (über Cookies) oder das Unternehmen (z.B. amazon) mehr über den Kunden und seine Interessen lernen. Manche Unternehmen nutzen dies in nahezu idealer Art und Weise. Für viele Kunden ist dies von Vorteil, denn ein Unternehmen wie amazon kennt den Kunden und seine Interessen gut und kann ihm somit viel besser interessante Produkte anbieten.

Internetwerbung ist somit besonders effizient. Das Internet dagegen kann dem Beworbenen exakt und schnell jene Informationen zur Verfügung zu stellen, die seinem Profil und seinen Präferenzen entsprechen.
 
Im Zusammenhang mit dem neuen Medium bieten sich demnach einzigartige Möglichkeiten in Bezug auf Werbung und Verkaufsförderung. Ein hoher Grad an Individualität und eine starke Intensität bei der Kommunikation sind die Folge. Dem Kunden können in Abhängigkeit von seiner jeweiligen Lebenssituationen somit besonders passende Produkte oder Dienstleistungen angeboten werden.

Auch aufgrund der besonderen Bedeutung dieses Aspektes findet man im Internet so viele Gewinnspiele, bei denen sich der Kunde erst aktiv und intensiv mit dem Produkt auseinandersetzen muß, um dann am Preisausschreiben teilnehmen zu können. Über die Chancen auf einen Gewinn kann dabei ein Bindungseffekt zur begleitenden Werbung geschaffen werden. Über solche Gewinnspiele können Daten in Bezug auf neue potentielle Kunden gesammelt werden. Der auf diese Art gewonnene Adreßbestand ist für eine gezielte Akquisition nutzbar.

Herausforderungen für Unternehmen

Für die meisten Unternehmen ist es von großer Bedeutung, seine Kunden gut zu kennen. Durch die Möglichkeiten des Internet entstehen aber auch hier für Unternehmen ganz neue Herausforderungen. Dies sind insbesondere die folgenden:

  • Aufbereitung der Kundendaten: Die entstehenden großen Mengen an Informationen über Kunden müssen in geeigneter Art und Weise aufbereitet werden. Dieser Herausforderung (Big Data) muss sich jedes Unternehmen stellen.
  • Datenschutz: die gewonnene Daten sind in hohem Maße sensibel. Sie müssen  daher auch besonders geschützt werden (Datenschutz). Ein Diebstahl solcher Daten beispielsweise durch einen Hacker-Angriff kann unabsehbare Folge für das Unternehmen und das Vertrauen der Kunden haben.